«Aber alle anderen dürfen!» – dieser Satz ist der stärkste Verbündete jedes Kindes im Ringen um mehr Bildschirmzeit. Solange jede Familie für sich allein entscheidet, ist er kaum zu widerlegen. Hier setzte der diesjährige Elternabend der neuen 1. Oberstufe an – mit einem Format, das Eltern nicht mehr allein lässt.
Nach einem gemeinsamen Statement der Schulleitung in der Aula ging es in den Klassenzimmern konkret weiter. Die Klassenlehrpersonen stellten fünf Positionen vor, die die Schule als sinnvolle Familien-Vereinbarung vorschlägt: vom Handy, das nachts nicht ins Schlafzimmer gehört, über handyfreie Familienmahlzeiten und ein Tageslimit von rund 1 Stunde 45 Minuten, bis zur Frage, ab welchem Alter TikTok, Snapchat und Instagram einen Platz auf den Handys der Kinder bekommen sollen. Fünf Positionen für eine Handvoll Entscheidungen.
Anschliessend konnten die Eltern in einer anonymen Klebeaktion im Nebenraum signalisieren, wo sie als Familie mitziehen würden – ein grüner Punkt pro Position, ohne Namen, ohne Sichtbarkeit. Das Stimmungsbild sah in allen Klassen ähnlich aus: klare Mehrheiten für Positionen rund um Präsenz und Aufmerksamkeit, mehr Diskussion bei den strengeren Vorschlägen. Kein Schein-Konsens, sondern ein ehrliches Bild – genauso wie beabsichtigt.
Aus dem Ergebnis entstand in jeder Klasse eine eigene Vereinbarung, die die Eltern mit nach Hause genommen haben. Sie ist keine Vorschrift, sondern eine Stütze: Wenn Kinder wissen, dass die Familien ihrer Klassenkameradinnen und Klassenkameraden dieselbe Linie halten, wird es zu Hause leichter. Das Thema begleitet die Klassen im Schuljahr weiter – auch im Unterricht in Medien und Informatik sowie in Ethik, Religionen, Gemeinschaft.
Text und Bild: Julia Achenbach